a plastic container filled with lots of crafting supplies

Hexifiziert – die Magie von English Paper Piecing

Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich zum ersten Mal auf den Begriff «EPP» gestossen. Das Bild einer Decke aus geometrischen Formen mit schönen Mustern weckte meine Neugier und ich habe den Begriff in einer Suchmaschine eingegeben. Als ich die ersten Beiträge zum Thema gelesen und gesehen hatte, was man mit dieser Technik alles machen kann, wusste ich, DAS muss ich unbedingt ausprobieren!

Der Name mag auf den ersten Blick etwas kompliziert wirken, doch die Technik dahinter ist eigentlich ganz simpel. Ein bisschen Stoff, Papierschablonen, Nadel, Faden, eine Schere und viiiiel Geduld und schon kann es losgehen.

In diesem Beitrag möchte ich dir einen kleinen Einblick in diese besondere Technik geben und dir zeigen, woran ich mit dieser Technik gerade arbeite.

Aber zuerst – was genau ist eigentlich English Paper Piecing?
English Paper Piecing ist eine Technik des Handnähens, bei der kleine Stoffstücke um Papierschablonen herum genäht werden, um stabile und exakte Formen zu erzeugen. Ursprünglich in England im 18. Jahrhundert entwickelt, hat sich diese Methode über die Jahre zu einer beliebten Quilting-Technik entwickelt, die vor allem für ihre Feinheit und Detailverliebtheit bekannt ist. Der Vorteil von EPP liegt in der Möglichkeit, präzise geometrische Formen zu erstellen, die mit Maschinen oft schwieriger zu realisieren sind.

Die Technik ist besonders beliebt für klassische Muster wie beispielsweise „Hexagon-Blumen“. Aber auch modernere Designs lassen sich wunderbar umsetzen. Durch das Zusammensetzen der kleinen Teile entsteht ein faszinierendes Gesamtbild, das sich mit jeder Naht mehr zu einem Kunstwerk entfaltet. Ein weiterer Vorteil dieser Art zu nähen ist zudem, dass man keine Maschine braucht und man seine Projekte überall mithinnehmen kann. Es ist die ideale Möglichkeit, im Moment zu versinken und sich voll und ganz auf die Hände zu konzentrieren. Man muss aber beachten, dass es ein langsamer Prozess ist und man beim Nähen mit der Hand viel Geduld braucht.

Dadurch, dass man verschiedene geometrische Formen auch miteinander kombinieren kann, entstehen sehr coole Muster, die einen an ein Kaleidoskop erinnern. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Für meinen ersten Quilt habe ich mich für die klassischen 1 Inch Hexagons entschieden. Ich habe mir dafür ein harmonisches Stoffpaket gekauft und begonnen, den Stoff so zuzuschneiden, dass ich die Hexagons heften kann.

Beim Heften gibt es verschiedene Möglichkeiten. Viele heften mit Stoffleim, ich hingegen habe mich für das Heften mit Nadel und Faden entschieden, weil ich das Geklebe vom Stoffleim nicht mag. Natürlich habe ich auch das ausprobiert, aber da schlussendlich mehr Leim am Stoff und an meinen Händen klebte, habe ich das schnell wieder aufgegeben.

Kurzanleitung EPP

  1. Materialien vorbereiten:
    Zunächst schneidest du deine Schablonen aus. Diese bestehen meist aus festem Papier, das die Form deiner Stoffstücke vorgibt. Die Schablonen kannst du entweder fertig kaufen oder selbst erstellen, je nachdem, wie groß du die Stücke für dein Projekt haben möchtest. Für meine Hexagons habe ich mir einen Stanzer gekauft und verwende 160 mg starkes Papier. Alte Kalender können ebenfalls als Schablonen weiterverwendet werden.
  2. Stoffe zuschneiden:
    Beim Zuschneiden des Stoffs ist es wichtig, dass genügend Stoff übersteht, um diesen um die Schablonen zu wickeln. Dabei kann man entweder eine Schablone als Vorlage brauchen und den Stoff rundherum mit einer Zugabe von ca. 0,75 cm zuschneiden. Da so viel Stoffstückchen übrig bleiben, habe ich mich entschieden, die Stoffe für meinen eckig zuzuschneiden. Dabei entsteht zwar jeweils etwas mehr überstehenden Stoff, was aber beim finalen Quilt dann schlussendlich keine Rolle spielt. Beim Zuschneiden hingegen spart man so sehr viel Zeit.
  3. Nähen:
    Jetzt kommt der handwerkliche Teil: Du legst die Stoffstücke auf die Schablonen und befestigst sie mit kleinen Stichen. Dabei achtest du darauf, dass die Stoffe eng und akkurat an den Kanten der Schablonen anliegen. Auf diese Art bereitet man am Besten gleich viiiiele Teile zu, die man dann zusammensetzen kann. Wenn man viele verschiedene Stofffarben und Stoffmuster kombinieren möchte, lohnt es sich, zuerst die Hexagons zu heften und dann auszulegen, damit man sieht, wie die verschiedenen Stoffe und Muster zusammen harmonieren. Für meine Decke habe ich 23 verschiedene Stoffe, die ich zu Beginn ausgelegt habe. Erst dann habe ich mit dem nächsten Schritt begonnen.
  4. Zusammensetzen:
    Nachdem du genügend kleine Teile geheftet hast, kannst du sie zu deinem gewünschten Muster zusammenfügen. Die Teile werden dann traditionellerweise mit handgenähten Nähten zusammengenäht. Dies erfordert zu Beginn etwas Fingerspitzengefühl, damit die Nähte gleichmässig werden und auf der Vorderseite nicht oder nur minim sichtbar sind.

Tipps für dein erstes English Paper Piecing-Projekt
• Geduld ist der Schlüssel: EPP ist eine Technik, die Zeit und Hingabe erfordert. Es ist keine schnelle Lösung, aber der Prozess ist unglaublich entspannend und befriedigend.
• Nutze einen festen Faden: Für EPP eignet sich am besten ein robuster Baumwollfaden, der stark genug ist, um die Stoffstücke gut zu verbinden, aber gleichzeitig nicht zu steif ist, um die Handarbeit angenehm zu gestalten. Ich persönlich bevorzuge einen hellgrauen Faden, da dieser zu fast allen Stofffarben passt und so sehr gut in der Arbeit „verschwindet“.
• Probiere es mit kleinen Projekten: Wenn du gerade erst anfängst, wähle ein kleines Projekt wie ein Kissen oder eine kleine Tasche, um die Technik auszuprobieren.

Kate’s «The Last Homely House»
Als ich mich auf Youtube mit der Technik auseinandergesetzt habe, bin ich auf Kate gestossen. Sie hat einen Youtube-Kanal, «The Last Homely House». Ihre Videos haben mich total fasziniert. Besonders ihr Quilt, den sie für Ihre Enkelin Agnes gefertigt hat, hat mich in den Bann gezogen und mich inspiriert, selber einen solchen Quilt anzufangen. Zugegeben, es geht langsam voran und zwischendurch lege ich das Projekt auch mal wieder bei Seite. Aber regelmässig nehme ich diese Arbeit wieder hervor und freue mich, wenn die Decke ein Stückchen wächst.

Kate hat sehr viele Videos zu verschiedenen Themen auf ihrem Kanal. Auch für den Einstieg ins EPP hat sie tolle Beiträge zusammengestellt. Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall. Den Link zu ihrem Kanal findest du auf ihrer Homepage.

Mein Fazit
English Paper Piecing ist eine wunderbare Möglichkeit, in die Welt des Quiltens einzutauchen und dabei sowohl Tradition als auch kreative Freiheit zu genießen. Die Technik verbindet das Beste aus Handarbeit und Kunstfertigkeit und lässt dich Schritt für Schritt ein einzigartiges Kunstwerk erschaffen.

Vielleicht hast du ja Lust, es selbst auszuprobieren? Gerne helfe ich bei Fragen weiter oder stelle dir ein kleines Starter-Set mit einer kurzen Anleitung zusammen, damit du auch in die magische Welt des English Paper Piecing eintauchen kannst. Aber Vorsicht, es besteht Suchtgefahr!

Magische Grüsse aus dem Atelier Zaubernaht!

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